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Herausforderungen der Psychotherapie – Buchbesprechung

Im Buch „Herausforderungen der Psychotherapie» geben 23 Therapeutinnen und Therapeuten Einblicke in ihre praktische Arbeit und teilen Erfahrungen mit schwierigen Themen und Therapiesituationen. Durch einfache Fragen werden die erfahrenen Expertinnen und Experten gefordert, komplexe Inhalte einfach darzustellen.

 

Im Interview: Thomas Lampert, Koordinator Prävention und Angehörigenarbeit und Mitautor im vorgestellten Buch und Viola Krucker, Fachspezialistin Marketing und Kommunikation

Psychotherapie ist ein komplexes Geschehen. Deshalb erfordert die psychotherapeutische Tätigkeit sowohl eine gründliche, breite und engagierte fachliche Ausbildung als auch die Notwendigkeit, dass sich Therapeutinnen und Therapeuten in einem professionellen Verständnis mit ihrer ganzen Person und Persönlichkeit ins Geschehen einbringen. Wenn sie während der Therapie mit Inhalten oder Themen konfrontiert werden, mit denen sie sich noch nicht intensiv beschäftigt haben, kann das zu Irritationen und Unsicherheiten führen. Soweit der Klappentext zum Buch.

Um einen weiterführenden Einblick in die Entstehung des Buches zu geben und den möglichen Nutzen des Buches für Leserinnen und Leser aufzuzeigen, wurde das nachfolgende Interview geführt:

Lieber Thomas, wie ist das Interview mit dir bzw. das Buch zustande gekommen? Vor einigen Jahren wurden meine Kollegin Edith Scherer (Angehörigenberaterin Psychiatrie St.Gallen Nord) und ich von Wulf Rössler (Herausgeber im Psychiatrie-Verlag)) angefragt, ob wir für die Reihe „Basiswissen“, welche im Psychiatrie-Verlag erscheint, ein Buch zum Thema Angehörige in der Psychiatrie schreiben. Wir nahmen das Mandat an und tippten drauf los, was die Tasten hergaben. Ein erstes Manuskript liessen wir dem Verlag zukommen, welcher dies an den vorgesehenen Lektor weiter reichte. So lernten wir Uwe Britten kennen, welcher als Lektor, Herausgeber und Publizist in den Bereichen Psychotherapie, Psychiatrie und Jugendhilfe tätig ist.

Oh weh! Mit einer ersten Rückmeldung setzte sogleich die Schnappatmung ein. Luftringend konfrontiert mit seitenlangen Korrekturvorschlägen. In rot! Aber ich lernte Herrn Britten dann als umsichtigen, klugen und dennoch gradlinigen Lektor kennen, welcher treffende Fragen stellte. Als der Basiswissen-Band dann in den Verkauf gelangte, fragte mich Herr Britten für ein Interview an, welches als Promotion für diesen Ratgeber gedacht war und 2017 im Deutschen Ärzteblatt PP abgedruckt wurde. Jedenfalls ist es mir noch in frischer Erinnerung, als bei einigen Antworten während unserem Telefongespräch am anderen Ende schallendes Gelächter zu hören war. Ob es an meinem Schweizer Hochdeutsch oder den Antworten lag, weiss ich noch heute nicht. Diese Form der Werbung für Bücher, an welchen er beteiligt war, hat System. Und so hat sich Herr Britten entschieden, eine Sammlung dieser Interviews herauszugeben.

Wie kann das Buch aus deiner Sicht Fachleuten nützlich sein? Die Interviews greifen Themen auf, welche eigentlich geläufig sind. Sie vermitteln auch weniger ein Fachwissen als spezifisches Erfahrungswissen. Herr Britten ist gewieft. Er erinnert mich an Inspektor Colombo, welcher scheinbar unbeholfen Fragen gestellt hat, welche im ersten Moment lapidar wirken, aber dennoch Tiefgang haben. Sie hinterfragen. Herr Britten ist ein Lektor, welcher etwas von seiner Materie versteht. Das darf man ja erwarten, hat er doch Germanistik studiert. Vielleicht liegt es auch am Philosophiestudium und der reichen Berufserfahrung, dass es bei der Materie um mehr als nur Rechtschreibung geht. Das ist es, was mich an den einzelnen Beiträgen fasziniert.

Die interviewten Therapeuten im hier besprochenen Buch geben einen ehrlichen, persönlichen Einblick, wie sie zum Thema stehen, was möglich ist und wo Grenzen sind. So werden komplexe Konstrukte praxisnah und verständlich abgebildet. Es entstanden Artefakte, welche weit mehr vermitteln, als nur die Inhalte. Seine Fragen regen an, etwa um Ecken zu denken oder eigentlich Selbstverständliches in seinem Verständnis zu ergründen. Doch letztlich bleiben es „nur“ persönliche Einschätzungen. Einschätzungen jedoch, welche von etablierten Fachleuten der jeweiligen Provenienz abgegeben werden. Mit dem bereits geschilderten Fokus des ergründeten Selbstverständnisses wirken die Statements plausibel. Das kann uns Fachleute unterstützen, gerade in jenen Bereichen, die nicht zu unserem täglichen Kerngeschäft zählen.

Haben Betroffene bzw. Patientinnen und Patienten etwas davon, wenn sie es lesen? Sicherlich werden Fachbegriffe verwendet. Doch diese lassen sich leicht nachschlagen oder googlen. Wovon auch Betroffene profitieren können ist zu verstehen, wie etwas funktioniert in der Psychotherapie, wie es gemacht wird und warum die Therapeutin, der Therapeut das macht. Das ist das Erfrischende an diesem Band: es ist eigentlich ein Erklärbuch. Von der beschriebenen „Colombo-Technik“ profitieren eben gerade jene Leserinnen und Leser, welche sich mit den Themen bisweilen erst wenig befasst haben. Durch einfache Fragen werden die erfahrenen Expertinnen und Experten gefordert, komplexe Inhalte einfach darzustellen. Dies, so meine Einschätzung, ist gut gelungen.

Details zum Buch «Herausforderungen der Psychotherapie», Autor: Uwe Britten, im 2019 im Psychosozial Verlag GbR erschienen,
ISBN: 978-3-8379-2924-9

Weiterführende Informationen
Psychosozial Verlag
Psychiatrie Verlag
Individuelle Angehörigenberatung

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